Römische Münzen

Römische Prägungen aus Republik, Kaiserzeit und Provinzen

Gemäß Pomponius, einem Konsulenten, der während des zweiten Jahrhunderts v. Chr. lebte, wurden die ersten Münzmeister im Jahr 289 v. Chr. eingestellt. Sie signierten die Münzen mit „III. VIR. AAAFF“, was die Abkürzung für „tres viri aere argento auro flando feriundo“ ist und so viel bedeutet wie „Die drei (Münzmeister) sind verantwortlich für das Einschmelzen und Schlagen von Bronze, Silber und Gold.“ Laut Suda befand sich die Münzstätte Roms im Tempel der Iuno Moneta auf dem Kapitol. Zu dieser Zeit waren die Römer vertraut mit dem Prägen von Münzen, da bereits die griechischen Kolonien Metapont, Crotone und Sybaris in Italien seit etwa 500 v. Chr. Münzen prägten, Neapel seit etwa 450 v. Chr. Rom hatte im 4. Jahrhundert v. Chr. bereits einen großen Teil Mittelitaliens erobert. In den Münzstätten wurden große Mengen an Bronzemünzen geprägt, aber verhältnismäßig wenige Silbermünzen.

Ein System für Bronzemünzen wurde eingeführt, das heute unter dem Namen Aes grave bekannt ist. Sie waren aufgrund ihrer Größenunterschiede und dadurch, dass die Münzen seltener geprägt als gegossen wurden, eindeutig römisch, da sie sich von anderen Münzen, die im Mittelmeerraum zu dieser Zeit geschlagen wurden, durch ihren groben, teilweise sogar barbarischen Stil unterschieden.
Zu Anfang der römischen Münzprägung waren die Aes grave nicht signiert, erst um das Jahr 210 v. Chr. traten erste Kürzel der Münzmeister auf den Nominalen auf. Als Motiv tragen alle frühen römischen Münzen auf der Rückseite einen Schiffsrumpf (Prora), was an die Eroberung der Flotte von Antium erinnern sollte, und auf der Vorderseite verschiedene Götterbilder.

281 v. Chr. begann Rom einen Krieg gegen Tarent; die Tarentiner nahmen die Unterstützung von Pyrrhus in Anspruch. In diesem Zusammenhang ließ Rom die erste Silbermünze prägen, die dem Wert einer römischen Didrachme entsprach.
Während der nächsten Jahre wurden weitere Silbermünzen herausgegeben. Nicht nur die Motive auf den Münzen waren aus der griechischen Münzprägung entnommen, sondern auch die Nominale. Die ersten Silbermünzen hießen Drachme oder Didrachme.

Die erste römische Silbermünze, von der angenommen wird, dass sie in Rom geprägt wurde, wurde um 269 v. Chr. geschlagen. Man datiert diese Münze auf dieses Jahr, da die Embleme auf der Prägung denen der Konsuln dieses Jahres entsprechen: Quintus Ogulnius Gallus und sein Bruder Cnaeus Ogulnius Pictor.

Der Denar, der über vier Jahrhunderte lang die Leitwährung des Römischen Reiches werden würde, wurde im Jahr 211 v. Chr. eingeführt.
Dieses Nominal wurde zu Anfang in großen Mengen ausgeprägt; das dafür benötigte Silber stammte aus der Plünderung von Syrakus im Jahr 210 v. Chr.
Zudem wurden noch zwei weitere Münznominale eingeführt: der Quinarius nummus, der der Hälfte eines Denars entsprach und mit der Wertzahl V gekennzeichnet war, und der Sesterz, der einem Viertel-Denar entsprach und durch das Wertzeichen IIS gekennzeichnet wurde.

Die Gestaltung der Denare ist vielfältig, da die einzelnen Münzmeister die Münzen frei gestalten konnten. Meist finden sich auf diesem „Familienmünzen“ Motive aus der Mythologie und der römischen Geschichte sowie Vorfahren der Münzmeister. Julius Caesar war der erste Lebende, der auf einer römischen Münze abgebildet wurde, allerdings erst Anfang Februar in seinem Todesjahr 44 v. Chr., als der Senat ihm ein entsprechendes Recht verlieh. Caesar ließ in der kurzen Zeit bis zu seiner Ermordung eine große Menge „seiner“ Münzen prägen. In der Folgezeit häuften sich die Abbildungen lebender römischer Politiker, erstmals fanden sich auch deren Gattinen auf Münzen wieder, die Konsularmünzen (auch Familienmünzen) genannt werden.

Die ersten römischen Goldmünzen wurden um 216 v. Chr. geprägt. Die Nominale dieser Münzen lauteten Stater und Halbstater und beide wurden in Rom geprägt.

Während der nächsten 40 Jahre verlor der Denar immer mehr an Gewicht. Der Grund dafür ist unklar und hing zu Beginn wohl mit dem Zweiten Punischen Krieg zusammen. Infolge dieses Krieges war der römische Staat bei seinen Bürgern auf etwa eine Million Denare verschuldet. Diese wurden 25 Jahre lang nicht gänzlich zurückgezahlt, bis sie unter Cn Manlius Vulso durch die Beute des Friedens von Apameia im Jahre 188 v. Chr. bezahlt wurden. Auf ein römisches Pfund kamen ursprünglich 72 Denare; in jener Zeit veränderte sich der Wert auf 84 Denare. Während der folgenden Jahrzehnte blieb das Gewicht des Denars relativ stabil.

Der Silbergehalt des Denars während der Zeit der römischen Republik betrug über 90 %, gewöhnlicherweise sogar 95 %, davon ausgenommen die späteren Prägung von Marcus Antonius, besonders die massiven „legionären“ Prägungen in den Jahren 32/31 v. Chr. kurz vor der Schlacht von Actium. Gerüchten zufolge wurde das dafür benötigte Silber von Cleopatra zur Verfügung gestellt.

Es galt also: 1 Aureus = 25 Denar = 100 Sesterze = 200 Dupondien = 400 Asse = 800 Semis = 1600 Quadranten

Bis ins 3. Jahrhundert gab es in erheblichem Umfang auch noch lokale Münzprägungen, die aber nie Gold und nur selten Silber verwendeten, und Ägypten behielt lange ebenfalls ein eigenes Währungssystem (außer für Gold). Das Schema der Reichswährung hatte rund zwei Jahrhunderte lang Bestand und diente als Grundlage für sämtliche weitere Münzreformen, die mit der bereits um 220 einsetzenden und seit etwa 270 galoppierenden Inflation nötig wurden.

Unter Caracalla wurde eine besonders große Silbermünze eingeführt, der Antoninian.

Unter Decius kam kurzzeitig auch eine große Bronzemünze in Umlauf.

Insgesamt verfiel das römische Münzwesen unter den Kaisern zusehends; die erste Münzverschlechterung führte Nero durch, und ab den Severern beschleunigte sich der Prozess. Beispielsweise enthielten die Silbermünzen in der Mitte des 3. Jahrhunderts teilweise nur noch ein Zwanzigstel Silber. Angeblich nach einem blutig niedergeschlagenen Aufstand der Münzer unternahm Kaiser Aurelian mit seinem führenden Finanzpolitiker Gaius Valarius Sabinus um 270 einen ersten Reformversuch, der aber scheiterte und von manchen Forschern sogar für den Anlass der verstärkten Inflation der Folgezeit gehalten wird. Dann begannen unter Diokletian verstärkte Bemühungen um eine Münzreform. So wurden wieder reine Silberdenare und eine neue Bronzemünze mit Silberanteil, der Follis, geprägt. Konstantin der Große führte am Anfang des 4. Jahrhunderts eine Reihe neuer Münzen ein: eine große Goldmünze (Solidus), eine kleine Silbermünze (Siliqua) und eine Kupfermünze (Centenionalis). Vor allem der Solidus erwies sich als erfolgreich; die Münze blieb jahrhundertelang im Wesentlichen stabil und bildete in der Spätantike die Basis des römischen Währungssystems.

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