Griechenland-Bankrott erneut verschoben

Von: SW/PA

Überlebensrate des Euro-Experiments sinkt weiter.

Wolfgang Schäuble braucht derzeit besonders starke Nerven: Da setzt sich der deutsche Finanzminister trotz wochenlanger Demütigungen für ein "Ja" des Deutschen Bundestages zu einer Verlängerung der Griechenland-Hilfen ein. Und was macht sein griechischer Kollege Yanis Varoufakis? Der spricht nur einen Tag vor der entscheidenden Abstimmung im griechischen Radio erneut von einer Umschuldung für sein Land - obwohl eine solche Möglichkeit von den Euro-Partnern strikt abgelehnt wird. Nun stellt Herr Schäuble klar: Falls Griechenland gegen die Absprachen verstoße, seien diese hinfällig. Der Ton wird also rauer zwischen Berlin und Athen.

 

Ein großer Verlierer des wochenlangen Polit-Zirkus steht bereits jetzt fest: Die europäische Gemeinschaftswährung. Der Euro steht seit Monaten unter Druck und verliert von Woche zu Woche immer mehr an Wert. Wer demnächst in den Urlaub aufbricht, bemerkt die Folgen sofort im Portemonnaie: Für Euros gibt es immer weniger Dollar, Franken oder Pfund. Und mit dem Wert schwindet auch das Vertrauen der Deutschen in die Gemeinschaftswährung: Viele Deutsche wünschen sich inzwischen einen Austritt aus dem Euro, und die tiefe Skepsis macht nicht einmal mehr vor Berufs-Optimisten Halt: Bei einer Probe-Abstimmung in der CDU/CSU-Fraktion votierten trotz der versprechenden Worte von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel 22 Abgeordnete gegen die Verlängerung der Griechenland-Hilfen, 5 Volksvertreter enthielten sich.

 

Und was machen die Griechen währenddessen? Sie zerstören jeden Funken Hoffnung in eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unter dem Dach des Euro. Wegen der wachsenden Gefahr einer Staatspleite haben sie allein im Januar Einlagen von 12,2 Milliarden Euro abgehoben. Viele Griechen hatten zuvor in der Hoffnung auf einen Wahlsieg der linkspopulistischen Syriza-Partei einfach ihre Steuerzahlung zurückgehalten. Und während die Griechen ihr Geld in Sicherheit bringen, meldet der Staat neuen Finanzbedarf an: Wie aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen bekannt wurde, muss Athen im März Verpflichtungen im Umfang von gut 6,85 Milliarden Euro erfüllen. Wie dieser Betrag aufgebracht werden soll, ist bis heute unklar. Und im Sommer wird offenbar ein drittes Programm nötig sein; benötigt werden mindestens 20 Milliarden Euro.

 

Während sich die Aktienmärkte von der vermeintlichen "Lösung" der Griechenland-Krise blenden ließen und nach Bekanntwerden der Einigung zwischen Athen und Brüssel auf neue Rekordstände kletterten, ließen sich die Edelmetallanleger von der Zahlen-Euphorie nicht anstecken: Die Nachfrage nach Gold als "sicherem Hafen" stieg in den vergangenen Tagen stark an, nach einer Konsolidierung kletterte die Notierung für Gold wieder über die Marke von 1.200 US-Dollar pro Feinunze. Weiterhin ist Gold ein Anlagegewinner des Jahres, in der Spitze konnte das gelbe Metall im Jahr 2015 um bis zu 16 Prozent zulegen. Und der Trend zeigt weiter nach oben; Während Gold noch viel Luft bis zu neuen Rekordständen hat, ist der Deutsche Aktienindex dagegen heiß gelaufen: Der DAX reißt ein Rekordhoch nach dem Nächsten. Die Sorge vor einer größeren Korrektur nimmt zu, sodass auch hier viele Anleger in Gold flüchten.

 

In den kommenden Wochen dürfte Griechenland vorerst aus dem Blickfeld der Investoren verschwinden, dafür ist die Ukraine auf die Agenda zurück gekehrt. Die „Waffenruhe“ von Minsk hat sich als brüchig erwiesen, trotz Einigung gingen die Kämpfe in der strategisch wichtigen Stadt Debalzewe weiter, es kamen auch Zivilisten zu Tode. Und die Sorge in der Region wächst - die Staaten des Baltikums sowie Moldawien befürchten, dass Russland seinen Einfluss weiter ausdehnen könnte. Diese geopolitischen Risiken lasten auf der Laune der Investoren und machen deutlich, dass Gold auch weiterhin unverzichtbar ist.